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13.06.2019

EU-Kommission veröffentlicht Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft

Deutschland mit Nachholbedarf im Bereich E-Government und Frauen in der digitalen Wirtschaft

Länder, die gezielte Digitalisierungsmaßnahmen mit entsprechenden Investitionen kombiniert haben, konnten in relativ kurzer Zeit ihre Leistungsfähigkeit verbessern. Dies ist eine der wichtigsten Schlussfolgerungen des diesjährigen Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI). Mit dem jährlich veröffentlichten Index werden die Fortschritte der EU-Mitgliedstaaten auf dem Weg zur digitalen Wirtschaft und Gesellschaft gemessen. Deutschland liegt im Gesamtranking auf Platz 12 von 28.

Mehr als ein Drittel der Erwerbsbevölkerung in der EU verfügt nicht über elementare digitale Kompetenzen, obwohl die meisten Berufe solche Kompetenzen erfordern, und nur 31 Prozent der Bevölkerung können als fortgeschrittene Internetnutzer bezeichnet werden. Deutschland liegt mit rund 36 Prozent hierbei knapp über dem EU-Durchschnitt.

Die Konnektivität hat sich verbessert, reicht aber noch nicht aus, um die stark wachsende Nachfrage zu decken. Den Indikatoren des DESI zufolge nimmt die Nachfrage nach schnellen und ultraschnellen Breitbandnetzen zu und dürfte wegen der zunehmenden Perfektionierung der Internetdienste und der wachsenden Nachfrage der Unternehmen in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Ultraschnelle Verbindungen (mindestens 100 Mbit/s) stehen inzwischen 60 Prozent aller Haushalte zur Verfügung, Deutschland ist mit 66 Prozent zwar noch vor dem EU-Schnitt, aber auch weit entfernt von Ländern wie Malta, der Niederlande, Belgien oder Dänemark, die über 90 Prozent Abdeckung erreichen.

Im Bereich der digitalen öffentlichen Dienste war im Zeitraum 2014-2019 dort, wo die EU-Regelung eingeführt wurde, eine Angleichung zwischen den Mitgliedstaaten festzustellen. 64 Prozent der Internetnutzer, die bei der öffentlichen Verwaltung Formulare einreichen, verwenden hierfür inzwischen Online-Kanäle. Das zeigt, dass Online-Verfahren bequemer sind als der bürokratische Weg. In Deutschland ist E-Government allerdings noch nicht wirklich angekommen. Mit nur 43 Prozent, die dieses Angebot bisher nutzen, liegt Deutschland auf dem drittletzten Rang in der gesamten EU. 

Der ebenfalls veröffentliche „Fortschrittsanzeiger für Frauen im Digitalen“ (Women in Digital Scoreboard) zeigt, dass die EU-Mitgliedstaaten, die bei der Digitalisierung wettbewerbsfähig sind, auch beim Anteil von Frauen in der digitalen Wirtschaft eine Spitzenstellung einnehmen. Finnland, Schweden, Luxemburg und Dänemark schneiden beim Anteil von Frauen in der digitalen Wirtschaft am besten ab.

Deutschland ist auch hier unter dem EU-Durchschnitt. Nur knapp 17 Prozent der IKT-Spezialisten sind Frauen, sowohl in Deutschland als auch in der gesamten Europäischen Union. Die Frauen in der Digitalbranche verdienen aber in Deutschland 25 Prozent weniger als die Männer, der Gehaltsunterschied ist deutlich höher als in der gesamten EU (19 %). Allerdings gibt es hier vereinzelte Anzeichen für einen Wandel. So haben die 16-24 jährigen Frauen in Deutschland einen höheren prozentualen Anteil an fortgeschrittenen digitalen Kompetenzen im Vergleich zu den Männern in dieser Altersgruppe.