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14.05.2018

NRW-Studie „Digitalisierungsstrategien für Kommunen“ vorgestellt

Uni Siegen präsentiert Ergebnisse in Düsseldorf

Wie gut sind NRW-Kommunen beim Thema Digitalisierung aufgestellt? Das hat das Forschungskolleg „Zukunft menschlich gestalten“ der Uni Siegen (FoKoS) in einer breit angelegten, landesweiten Umfrage untersucht. 144 Kommunen haben ihren Status Quo zurückmeldet. Die Ergebnisse hat Professor Dr. Dr. Björn Niehaves vom FoKoS am 3. Mai NRW-Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart und Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen in Düsseldorf vorgestellt.

Die wichtigste Erkenntnis der Studie: Zwar haben oder entwickeln 91 Prozent der Kommunen bereits Digitalisierungsprojekte, ein Drittel aber hat keine dahinterstehende, übergreifende Strategie. Niehaves forderte die VertreterInnen der Kommunen auf, Digitalisierung ganzheitlich zu sehen. Strategien seien das wichtigste Instrument dafür, das große Ganze im Blick zu behalten. Nur so könnten Kommunen von Getriebenem zu Treibern der Digitalisierung werden. Dafür bräuchten die Kommunen Expertise. Die meisten ziehen der Umfrage zufolge externe Expertinnen und Experten zu Rate, etwa die Hälfte haben eigene Fachleute im Haus.

Fast alle Kommunen setzen bei der Digitalisierung vor allem auf Dienstleistungen. Services aus dem Bürgerbüro werden online angeboten, damit Bürgerinnen und Bürger ohne langes Warten unkompliziert beispielweise einen Bewohnerparkausweis beantragen und ausdrucken können. „Dieses sogenannte eGovernment ist ein wichtiger Punkt, aber die Kommunen sollten hier nicht stehenbleiben“, betonte Niehaves. Eine vernetzte Stadt, Sensorik, digitale Start-Up-Förderungen oder Bildung zu digitalen Fähigkeiten – all das sei wichtig. Umgesetzt oder entwickelt wird es momentan allerdings nur von etwas mehr als der Hälfte der befragten Kommunen. Damit sich noch mehr Kommunen damit auseinandersetzen, forderte Pinkwart, voneinander zu lernen:

„Wissen, das generiert wird, müssen wir für alle Kommunen bereitstellen. Software und digitale Tools müssen wir teilen, damit nicht jeder das Rad wieder und wieder neu erfinden muss.“

Wichtig sei laut Prof. Niehaves ein vernetztes strategisches Vorgehen, um nicht mit vorschnellen Adhoc-Aktionen, die zwar gut gemeint sein, langfristig Schaden zu verursachen. Niehaves nannte folgendes Beispiel:

„Einige Kommunen beauftragen externe Anbieter, um City-WLAN zu installieren und feiern das als Erfolg. Das Problem ist, dass die Kommunen dadurch freiwillig Konnektivitätsdaten aus der Hand geben.“

Wenn Kommunen das WLAN hingegen selbst betreiben würden, könnten sie Daten erheben. Zum Beispiel, wie viele Personen sich wann in der Stadt befinden, abhängig vom Wochentag, von der Temperatur oder eines Fußball-Länderspiels. Durch die Daten könnten Einzelhändler den Personaleinsatz besser kalkulieren. Erfahrungen zeigten, dass damit sechs bis acht Prozent der Gesamtkosten eingespart werden können. Kommunen wären damit in der Lage, ihre Innenstädte zu stärken und wettbewerbsfähig gegenüber Internet-Anbietern zu machen.

Digitale Modell-Regionen

Das NRW-Wirtschaftsministerium fördert fünf digitale Modell-Regionen, die ihr erworbenes Know-How wiederum an alle NRW-Kommunen weitergeben. Das FoKoS unterstützt die Akteure dabei, Ideen zu entwickeln und Visionen umzusetzen. In Düsseldorf stellten VertreterInnen der Regionen ihre Projekte vor. In Gelsenkirchen hat man zum Beispiel ein Festival für Virtuelle Realität veranstaltet, um Digitalisierung anschaulich zu machen. In Paderborn gibt es ein Angebot für junge Menschen zwischen drei und 23 Jahren. Sie können in den MINT-Fächern experimentieren und zwar außerhalb der Schule. Ziel ist es, damit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Weitere Modell-Regionen sind Aachen, Wuppertal und Soest. Sie alle teilen die Einschätzung, dass Digitalisierung eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Ohne Partizipation, Kooperation und Vernetzung sei der Weg zu einer digitalen Kommune nicht möglich.