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16.05.2019

OECD-Studie: Junge Generation in Deutschland fit für die digitale Transformation

Regierungen müssen mehr tun, um Menschen die Kompetenzen für die digitale Welt zu vermitteln

Regierungen müssen mehr in Bildung und Weiterbildung investieren und sie so gestalten, dass jede und jeder von der Digitalisierung profitieren kann. Zu diesem Schluss kommt eine neue OECD-Studie, die vergangene Woche vorgestellt wurde. Der OECD Skills Outlook 2019 ist Teil der OECD-Kampagne "I am the Future of Work" zur Gestaltung der Arbeitswelt von morgen. Die Studie plädiert dafür, aus traditionellen Bildungssystemen Systeme lebenslangen Lernens zu machen.

Anhand eines neuen „Scoreboards“ zeigt die Studie, dass einige OECD-Länder weit besser auf den digitalen Wandel und die veränderte Arbeitswelt vorbereitet sind als andere. In Deutschland steht die junge Generation der 16- bis 29-Jährigen in Bezug auf ihre Vorkenntnisse im Umgang mit digitaler Informations- und Kommunikationstechnik besser da als der OECD-Durchschnitt. In vielen anderen Bereichen schneidet Deutschland eher durchschnittlich ab. So etwa bei der Nutzung von Weiterbildungsmöglichkeiten für Erwachsene.

Zwar liegt die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten in Deutschland im OECD-Durchschnitt. Ein problematischer Aspekt ist hierbei aber, dass gerade geringqualifizierte Arbeitskräfte und solche, deren Tätigkeit mit erhöhter Wahrscheinlichkeit durch Automatisierung ersetzt werden wird, besonders selten an Maßnahmen zur Weiterbildung und Weiterqualifikation teilnehmen. Auch bei der Integration von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in den Schulunterricht liegt Deutschland im Mittelfeld. Ebenso sieht es bei Problemlösungskompetzenen von deutschen Lehrern in Technologiefragen aus.

Belgien, Dänemark, Finnland, die Niederlande, Norwegen und Schweden gehören zu einer kleinen Gruppe von digitalen Vorreitern. Diese Länder können die Chancen der Digitalisierung besonders gut nutzen, weil ein großer Teil der Bevölkerung die notwendigen Vorkenntnisse besitzt oder Zugang zu entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen hat.

OECD-Generalsekretär Angel Gurría sagte bei der Vorstellung des Berichts in Paris:

‌"In unserer sich schnell wandelnden und immer digitaleren Welt entscheiden die richtigen Kompetenzen darüber, ob man den Wandel mitgestalten kann oder den Anschluss verliert. Politik sollte helfen, Flexibilität, berufliche Mobilität und Arbeitsplatzsicherheit in Einklang zu bringen. Bessere Bildungssysteme können dazu beitragen, dass sich mit der digitalen Revolution auch die Lebensumstände für alle verbessern."

Traditionelle Bildungssysteme müssen sich zu Systemen des lebenslangen Lernens entwickeln, so die Studie. Erwachsene müssen sich während ihres gesamten Berufslebens weiterbilden, um mit den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt Schritt zu halten. Die Länder können das lebenslange Lernen fördern, indem sie sich mit Ungleichheiten bei den Lernangeboten im Laufe des Lebens auseinandersetzen, den Lehrplan an sich ändernde Qualifikationsanforderungen anpassen und Lehrerkräften eine effektivere Ausbildung ermöglichen. Technologie kann hier eine große Rolle spielen, die Bildungs- und Ausbildungssysteme effizienter und flexibler zu machen und an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Ferner können digitale Technologien dazu beitragen, den Rückstand von Regionen aufzuholen, indem sie Menschen mit Lehrerinnen und Lehrern sowie Lernangeboten in Kontakt bringen, die vor Ort möglicherweise nicht verfügbar sind.

Der vollständige Bericht kann auf der Seite der OECD eingesehen werden.